Manchmal braucht es Mut, nichts zu tun.
🌟 MontagsGedanke 183
Es mag etwas paradox klingen, aber manchmal ist der mutigste Schritt: Geduld haben.
Das klingt zunächst nicht besonders heldenhaft. Mut verbinden wir eher mit Handeln. Entscheiden. Vorangehen. Verantwortung übernehmen. Geduld dagegen klingt schnell nach Warten, Zögern oder sogar Passivität.
Dabei erlebe ich im Leadership Coaching immer wieder Situationen, in denen genau das Gegenteil der Fall ist.
Rundherum herrscht Aufregung. Etwas funktioniert nicht wie geplant, die Stimmung wird nervös, erste Stimmen fordern Massnahmen. Es werden Sitzungen einberufen, neue Prozesse vorgeschlagen, Zuständigkeiten verändert und selbstverständlich braucht es möglichst sofort einen Aktionsplan.
Kurz: Alle verfallen in aktivistische Hektik.
Und dann braucht es plötzlich ziemlich viel Mut, zu sagen: Wir machen jetzt erst einmal – nichts.
🔬 Fachlich finde ich die Unterscheidung zwischen Handlungsfähigkeit und Handlungsdruck spannend. Führung bedeutet nicht, auf jede Irritation sofort mit einer Intervention zu reagieren. Gerade in komplexen Situationen sind Ursache und Wirkung häufig nicht eindeutig. Eine schnelle Massnahme vermittelt zwar das angenehme Gefühl, etwas getan zu haben – ob es die Situation verbessert, ist eine ganz andere Frage.
Manchmal braucht ein Team Zeit, um eine Veränderung zu verarbeiten. Ein Konflikt muss sich erst sortieren. Eine Entscheidung muss wirken können. Oder wir brauchen schlicht mehr Beobachtung, bevor wir wissen, welcher nächste Schritt überhaupt sinnvoll ist.
💡 Genau dann wird Geduld zur Führungsleistung. Denn wer bewusst wartet, muss die Unsicherheit aushalten, während rundherum nach Aktion verlangt wird. Das ist etwas völlig anderes als Entscheidungsschwäche.
Geduld bedeutet nicht, nichts zu entscheiden. Geduld kann eine bewusste Entscheidung sein, noch nicht zu handeln.
Das Schwierige daran: Aktivität ist sichtbar. Geduld nicht. Wer hektisch handelt, kann zeigen, was er alles unternommen hat. Wer bewusst wartet, muss dagegen erklären können, warum gerade das Nicht-Handeln die sinnvollere Intervention ist.
🔥 Wunderpunkt als Sparringpartner
Der wunde Punkt liegt vielleicht in unserem Bedürfnis, Unsicherheit möglichst schnell durch Aktivität zu beruhigen. Dabei lösen wir manchmal weniger das Problem als unser eigenes unangenehmes Gefühl, gerade keine Lösung zu haben.
🚀 Wochenchallenge
Wenn diese Woche irgendwo hektisch nach einer schnellen Massnahme gerufen wird, stelle dir eine Frage: Braucht es jetzt wirklich eine Handlung – oder braucht es den Mut, der Situation noch etwas Zeit zu geben?
Denn manchmal ist Vorangehen mutig.
Und manchmal ist es mutiger, noch einen Moment stehen zu bleiben.
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Wunderpunkt Martin Wolfer
