đ MontagsGedanke 178
Rechtfertigung ist eine Falle. Und sie dreht sich erstaunlich schnell.
Ein absoluter Dauerbrenner in meinen Coachings ist die Rechtfertigung. Jemand kritisiert uns, hinterfragt eine Entscheidung oder beschreibt eine Situation anders, als wir sie erlebt haben. Und schon kommt dieses wunderbare kleine Wort: «Ja, aber …» Eigentlich möchten wir nur erklĂ€ren, warum wir etwas getan haben. Und ehe wir uns versehen, sitzen wir mitten im Karussell.
Das Problem an der Rechtfertigung ist nicht, dass wir unsere Sichtweise schildern. Im Gegenteil. ErzĂ€hlen ist erlaubt. Beschreiben auch. Nachfragen sowieso. Und selbstverstĂ€ndlich dĂŒrfen wir unserem GegenĂŒber Einblick geben, was bei uns gerade los war oder weshalb wir eine Situation anders wahrgenommen haben.
Der entscheidende Unterschied liegt fĂŒr mich woanders: Rechtfertigung ist emotional aufgeladen. In ihr steckt meistens bereits das GefĂŒhl, sich verteidigen zu mĂŒssen. Wir wollen nicht mehr nur verstĂ€ndlich machen, sondern beweisen, dass unser Verhalten richtig war. Und genau das spĂŒrt unser GegenĂŒber.
Aus fachlicher Sicht lĂ€sst sich das gut erklĂ€ren: Sobald wir uns angegriffen oder ungerecht beurteilt fĂŒhlen, steigt unsere innere Abwehrbereitschaft. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich vom Verstehen zum Verteidigen. Wir hören weniger neugierig zu und suchen stattdessen Argumente fĂŒr unsere eigene Position. Das GegenĂŒber erlebt diese Verteidigung wiederum als mangelnde Offenheit – und beginnt seinerseits, stĂ€rker zu argumentieren. Die berĂŒhmte Eskalationsspirale bekommt Schwung.
Im Leadership Coaching versuche ich deshalb, diesen winzigen Moment sichtbar zu machen: Wann höre ich auf, neugierig zu sein, und beginne, mich zu rechtfertigen?
Vielleicht frage ich lieber nochmals nach. Vielleicht erzĂ€hle ich, wie ich die Situation erlebt habe. Vielleicht sage ich sogar: «Das trifft mich gerade, weil ich es ganz anders wahrgenommen habe.» Alles wunderbar. Damit gebe ich Einblick, ohne meine Wahrnehmung zur einzig richtigen zu erklĂ€ren.
đ„ Wunderpunkt als Sparringpartner
Der wunde Punkt liegt hÀufig nicht darin, dass wir eine andere Meinung haben. Sondern darin, dass wir unbedingt verstanden haben wollen, warum wir recht haben.
đ Wochenchallenge
Achte diese Woche auf dein «Ja, aber …». Wenn es auftaucht, werde neugierig. Frage nach. ErzĂ€hle. Gib Einblick in deine Befindlichkeit.
Aber rechtfertige dich nicht.
Sonst geht das Karussell los. đ
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Wunderpunkt Martin Wolfer

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