Mut ist nicht das Gegenteil von Vernunft.
đ MontagsGedanke 180
In meinen Coachings begegnen mir immer wieder GlaubenssĂ€tze, die sich erstaunlich hartnĂ€ckig halten. Manche sitzen so tief, dass sie sich richtiggehend festgekrallt haben. Selbst wenn wir rational lĂ€ngst wissen, dass sie uns im Weg stehen, melden sie sich zuverlĂ€ssig zurĂŒck.
Einer davon begegnet mir besonders hĂ€ufig: «Mutig sein bedeutet, etwas UnvernĂŒnftiges zu tun.»
Ein spannender Glaubenssatz. Und ein ziemlich hinderlicher.
Denn wenn Mut automatisch mit Unvernunft verbunden ist, wird vernĂŒnftiges Handeln schnell zum Argument dafĂŒr, lieber nichts zu riskieren. Die sichere Variante bekommt das Etikett «vernĂŒnftig», wĂ€hrend alles, was einen Schritt ins Ungewisse verlangt, plötzlich verdĂ€chtig wird.
Dabei haben Mut und Unvernunft ziemlich wenig miteinander zu tun.
đŹ Mut beginnt dort, wo Sicherheit aufhört. Das bedeutet aber nicht, dass wir deshalb unseren Verstand ausschalten mĂŒssen. Im Gegenteil: Ich kann eine Situation sorgfĂ€ltig abwĂ€gen, Risiken erkennen, Konsequenzen bedenken – und mich danach trotzdem fĂŒr einen Schritt entscheiden, dessen Ausgang ich nicht vollstĂ€ndig kontrollieren kann.
Genau das ist fĂŒr mich Mut.
UnvernĂŒnftig wĂ€re es, Risiken auszublenden. Mutig ist es, sie zu sehen und trotzdem zu handeln, wenn ich den Schritt fĂŒr richtig halte.
đĄ Im Leadership Coaching wird diese Unterscheidung besonders interessant. Eine unangenehme Entscheidung treffen. Einen Konflikt ansprechen. Verantwortung abgeben. Eine Position vertreten, von der ich weiss, dass sie nicht allen gefallen wird. Einen neuen Weg ausprobieren, obwohl der alte noch irgendwie funktioniert.
All das kann sich riskant anfĂŒhlen. Aber ist es deshalb unvernĂŒnftig?
Vielleicht ist manchmal sogar das Gegenteil der Fall: Es wĂ€re unvernĂŒnftig, aus Angst vor dem Risiko dauerhaft nichts zu verĂ€ndern.
GlaubenssĂ€tze lassen sich leider selten mit einem einzigen guten Argument aus der Welt schaffen. DafĂŒr sind sie zu tief verankert. Aber wir können anfangen, sie zu hinterfragen. Und vielleicht einen neuen Satz danebenstellen:
Mut bedeutet nicht, unvernĂŒnftig zu handeln. Mut bedeutet, vernĂŒnftig mit Unsicherheit umzugehen.
đ„ Wunderpunkt als Sparringpartner
Der wunde Punkt liegt vielleicht darin, dass wir «vernĂŒnftig» manchmal als ziemlich elegante BegrĂŒndung benutzen, um etwas nicht wagen zu mĂŒssen.
đ Wochenchallenge
Achte diese Woche darauf, wann du etwas als «zu riskant» oder «unvernĂŒnftig» bezeichnest. PrĂŒfe einmal genauer: Ist es tatsĂ€chlich unvernĂŒnftig? Oder ist es einfach ungewohnt, unsicher – und braucht deshalb etwas Mut?
Also: Seid mutig. Denn es hat nix mit Unvernunft zu tun.
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Wunderpunkt Martin Wolfer

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