Montag, 26. Oktober 2026

 Die Angst, etwas zu verpassen, lässt uns manchmal das verpassen, was gerade passiert.

🌟 MontagsGedanke 185

🔹 FOMO. Fear of Missing Out. Die Angst, etwas zu verpassen. Ein Begriff, den wir inzwischen fast schon beiläufig verwenden. Und gleichzeitig ein Phänomen, das ziemlich gut beschreibt, was unsere digitale Welt mit uns macht.

Wir sehen, wo andere gerade sind. Was sie erleben. Wen sie treffen. Was sie erreicht haben. Welches Konzert grossartig war, in welchem Restaurant man unbedingt gewesen sein muss und wie fantastisch das Wochenende aller anderen offenbar wieder einmal war.

Und während wir zuschauen, beschleicht uns dieses leise Gefühl: Da draussen passiert gerade etwas – und ich bin nicht dabei.

Dabei steckt hinter FOMO ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Wir wollen dazugehören. Wir orientieren uns an anderen und brauchen Resonanz, um uns selbst einzuordnen. Das Problem ist also nicht, dass wir Feedback und sozialen Austausch brauchen. Das Problem ist, wo wir ihn suchen.

🔬 Fachlich spannend ist, dass digitale Räume permanent soziale Vergleichsmöglichkeiten liefern. Nur vergleichen wir unser ganz normales Leben dabei mit einer ziemlich sorgfältig kuratierten Auswahl aus dem Leben anderer. Das kann den Eindruck erzeugen, alle anderen würden mehr erleben, erfolgreicher sein oder schlicht das interessantere Leben führen.

Die Antwort darauf ist für mich deshalb nicht weniger Austausch.

Sondern mehr echter Austausch.

💡 Sobald wir den digitalen Raum verlassen und Menschen tatsächlich begegnen, verändert sich etwas. Ein Gespräch hat Zwischentöne. Ein Gegenüber reagiert auf uns. Wir lachen miteinander, widersprechen uns, erzählen, hören zu. Wir bekommen echte Resonanz statt Likes. Und plötzlich wird das, was irgendwo anders gerade stattfinden könnte, erstaunlich unwichtig.

Vielleicht weil der reale Gewinn des Lebens stärker ist als der vermeintliche virtuelle Gewinn.

Das finde ich übrigens auch im Leadership Coaching relevant. Zusammenarbeit entsteht nicht dadurch, dass wir möglichst viel voneinander mitbekommen. Sie entsteht durch Begegnung. Führung braucht Resonanz, Beziehung und echte Gespräche. Ein digitales Feedbacksignal kann das unterstützen – ersetzen kann es das nicht.

🔥 Wunderpunkt als Sparringpartner
Der wunde Punkt bei FOMO ist vielleicht ausgerechnet, dass wir vor lauter Angst, irgendwo etwas zu verpassen, nicht mehr richtig dort sind, wo wir gerade sind.

🚀 Wochenchallenge
Wenn du dich diese Woche dabei ertappst, durch das Leben anderer zu scrollen und das Gefühl bekommst, etwas zu verpassen: Leg das Ding weg. Such dir einen Menschen. Rede mit ihm. Trink einen Kaffee. Geh spazieren. Diskutiere. Lach.

Und schau, was mit deiner FOMO passiert.

Denn vielleicht lautet das wirksamste Mittel gegen die Angst, etwas zu verpassen, ganz einfach:

Mehr echtes Leben.


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Wunderpunkt Martin Wolfer

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