Montag, 5. Oktober 2026

 Ein guter Chef sucht das Ja. Er sagt nicht einfach Ja.


🌟 MontagsGedanke 182

Letzte Woche habe ich mit einem Team gearbeitet. Irgendwann fiel im GesprĂ€ch ein Begriff, bei dem ich sofort hĂ€ngen blieb: «Ja-Chef».

Gemeint war der Vorgesetzte. Und je lĂ€nger das Team beschrieb, was es damit meint, desto besser gefiel mir dieses Bild. Ihr Chef suche zuerst nach dem Ja. Er schaue, was möglich ist. Er unterstĂŒtze Ideen, stĂ€rke den RĂŒcken und versuche, den Mitarbeitenden Spielraum zu geben. Nicht: «Das geht nicht.» Sondern eher: «Wie könnte es gehen?»

Was fĂŒr eine schöne Beschreibung von FĂŒhrung.

🔬 Fachlich steckt fĂŒr mich einiges darin. FĂŒhrung hat viel mit Ermöglichung zu tun. Wer Verantwortung ĂŒbernehmen, Initiative zeigen und eigene Lösungen entwickeln soll, braucht das GefĂŒhl, dass Ideen zunĂ€chst einmal willkommen sind. Ein grundsĂ€tzlich positives GegenĂŒber schafft psychologische Sicherheit und stĂ€rkt Selbstwirksamkeit: Ich darf etwas ausprobieren. Meine Ideen werden ernst genommen. Mein Chef traut mir etwas zu.

Und genau daraus kann Verantwortung entstehen.

Aber Achtung: Ein Ja-Chef ist kein Ja-Sager-Chef. Das ist ein ziemlich entscheidender Unterschied.

Ein Ja-Sager vermeidet möglicherweise Konflikte, scheut unangenehme Entscheidungen und stimmt zu, obwohl eigentlich ein Nein notwendig wĂ€re. Das hat mit guter FĂŒhrung wenig zu tun. Leadership braucht Grenzen, Klarheit und manchmal ein ziemlich deutliches Nein.

💡 Der Ja-Chef startet einfach an einem anderen Punkt. Seine erste Frage lautet nicht: Warum geht das nicht?, sondern: Was wĂ€re möglich? Und wenn etwas tatsĂ€chlich nicht möglich oder sinnvoll ist, darf am Ende selbstverstĂ€ndlich trotzdem ein Nein stehen.

Vielleicht macht genau diese Reihenfolge den Unterschied.

Denn Mitarbeitende erleben sehr genau, ob eine FĂŒhrungskraft reflexartig nach Hindernissen sucht oder zunĂ€chst versucht, etwas möglich zu machen. Das eine bremst Initiative. Das andere lĂ€dt dazu ein.

đŸ”„ Wunderpunkt als Sparringpartner
Der wunde Punkt könnte deshalb in einer ziemlich einfachen Frage liegen: Suche ich als FĂŒhrungskraft zuerst nach dem Ja – oder zuerst nach dem Nein?

🚀 Wochenchallenge
Wenn diese Woche jemand mit einer Idee, einem Wunsch oder einem ungewöhnlichen Vorschlag zu dir kommt, widerstehe fĂŒr einen Moment dem Reflex, sofort die Schwierigkeiten zu sehen. Suche zuerst nach dem Ja.

Nicht um jeden Preis. Aber mit echter Neugier.

Denn vielleicht ist das eine ziemlich schöne Vorstellung von Leadership:

Sei ein Ja-Chef. Aber bitte kein Ja-Sager-Chef.


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Wunderpunkt Martin Wolfer

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