Montag, 12. Oktober 2026

 Manchmal braucht es Mut, nichts zu tun.


🌟 MontagsGedanke 183

Es mag etwas paradox klingen, aber manchmal ist der mutigste Schritt: Geduld haben.

Das klingt zunĂ€chst nicht besonders heldenhaft. Mut verbinden wir eher mit Handeln. Entscheiden. Vorangehen. Verantwortung ĂŒbernehmen. Geduld dagegen klingt schnell nach Warten, Zögern oder sogar PassivitĂ€t.

Dabei erlebe ich im Leadership Coaching immer wieder Situationen, in denen genau das Gegenteil der Fall ist.

Rundherum herrscht Aufregung. Etwas funktioniert nicht wie geplant, die Stimmung wird nervös, erste Stimmen fordern Massnahmen. Es werden Sitzungen einberufen, neue Prozesse vorgeschlagen, ZustÀndigkeiten verÀndert und selbstverstÀndlich braucht es möglichst sofort einen Aktionsplan.

Kurz: Alle verfallen in aktivistische Hektik.

Und dann braucht es plötzlich ziemlich viel Mut, zu sagen: Wir machen jetzt erst einmal – nichts.

🔬 Fachlich finde ich die Unterscheidung zwischen HandlungsfĂ€higkeit und Handlungsdruck spannend. FĂŒhrung bedeutet nicht, auf jede Irritation sofort mit einer Intervention zu reagieren. Gerade in komplexen Situationen sind Ursache und Wirkung hĂ€ufig nicht eindeutig. Eine schnelle Massnahme vermittelt zwar das angenehme GefĂŒhl, etwas getan zu haben – ob es die Situation verbessert, ist eine ganz andere Frage.

Manchmal braucht ein Team Zeit, um eine VerĂ€nderung zu verarbeiten. Ein Konflikt muss sich erst sortieren. Eine Entscheidung muss wirken können. Oder wir brauchen schlicht mehr Beobachtung, bevor wir wissen, welcher nĂ€chste Schritt ĂŒberhaupt sinnvoll ist.

💡 Genau dann wird Geduld zur FĂŒhrungsleistung. Denn wer bewusst wartet, muss die Unsicherheit aushalten, wĂ€hrend rundherum nach Aktion verlangt wird. Das ist etwas völlig anderes als EntscheidungsschwĂ€che.

Geduld bedeutet nicht, nichts zu entscheiden. Geduld kann eine bewusste Entscheidung sein, noch nicht zu handeln.

Das Schwierige daran: AktivitÀt ist sichtbar. Geduld nicht. Wer hektisch handelt, kann zeigen, was er alles unternommen hat. Wer bewusst wartet, muss dagegen erklÀren können, warum gerade das Nicht-Handeln die sinnvollere Intervention ist.

đŸ”„ Wunderpunkt als Sparringpartner
Der wunde Punkt liegt vielleicht in unserem BedĂŒrfnis, Unsicherheit möglichst schnell durch AktivitĂ€t zu beruhigen. Dabei lösen wir manchmal weniger das Problem als unser eigenes unangenehmes GefĂŒhl, gerade keine Lösung zu haben.

🚀 Wochenchallenge
Wenn diese Woche irgendwo hektisch nach einer schnellen Massnahme gerufen wird, stelle dir eine Frage: Braucht es jetzt wirklich eine Handlung – oder braucht es den Mut, der Situation noch etwas Zeit zu geben?

Denn manchmal ist Vorangehen mutig.

Und manchmal ist es mutiger, noch einen Moment stehen zu bleiben.


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Wunderpunkt Martin Wolfer

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